Tag 28 – Yellowstone

Datum: 29-Juni-2008
Route: Helena – West Yellowstone
Tageskilometer: 450
Wetter: sonnig, 28°
Unterkunft: Al´s Westward Ho Motel, RMS2
Wildlife: Bisons, Wapiti

Heute ging die Fahrt nach West Yellowstone, einem Ort mit großer Bettenkapazität am Westeingang des Parks. Die Strecke war gewohnt abwechslungsreich, der schönste Abschnitt war der Highway 191 von Belgrade (kurz nach Manhattan und Amsterdam :-) ) nach West Yellowstone. Der Highway führt hier durch die bewaldeten Berge der Madison Range – toll!

Da es um 14 Uhr für den Motel Check-In noch zu früh war haben wir gleich den ersten Abstecher in den Park gemacht. Vom Eintrittspreis waren wir positiv überrascht: Das Ticket kostet 25 USD und gilt eine komplette Woche! Kurz nach dem Parkeingang passiert man übrigens die Staaten-Grenze – Welcome to Wyoming (glücklicherweise in der gleichen Zeitzone)!

Die Landschaft hier im Westen des Parks ist sehr schön: Kleine Flüsse, Seen, Graslandschaften, bewaldete Hügel…

Andreja war natürlich aufgeregt, welche Tiere würden wir wohl zu Gesicht bekommen? Sie war es dann auch die die ersten 3 Bisons erspähte welche weit abseits der Straße grasten. Wenige Kilometer kamen wir den Giganten dann deutlich näher: Einer graste direkt neben der Straße, ein anderer kam kurze Zeit später aus dem lichten Wald spaziert und gesellte sich dazu. Wow, das wir den Bisons gleich am ersten Tag so nahe kommen würden hätten wir nicht gedacht! Kurz nachdem wir an den beiden vorbei gefahren waren wechselten sie auf die Straße und sorgten für einen handfesten Stau.

Weitere Highlights heute:

1. Heiße Quellen
Noch vor der Madison-Gabelung gelangt man über einen Holzsteg zu einigen kleinen heißen Quellen die -geruchlos- vor sich hinblubbern.

2. Gibbon Falls
Schöner Wasserfall der gut von der Straße eingesehen werden kann

3. Beryl Spring
Heise Quelle mit viel Dampf, es riecht stark nach verfaulten Eiern!

Auf dem Rückweg haben wir wieder Bisons und eine Wapiti-Kuh gesehen (wurde von foto-geilen Japanern regelrecht bedrängt). West Yellowstone dient einzig der Versorgung der Touristen, trotzdem geht es hier sehr ruhig und gelassen zu. Zu entsprechend hohen Preisen gibt es auch Unterkünfte die direkt im Nationalpark liegen, wir hatten uns aber dazu entschieden von West Yellowstone zu Tagesausflügen in den Park zu starten. Bereits vor 8 Wochen war es schwierig eine halbwegs bezahlbare Unterkunft zu reservieren da viele schon ausgebucht waren. Ich hatte damals ein Zimmer im Al´s Westward Ho Motel reserviert, aufgrund durchwachsener Gästebewertungen waren wir sehr gespannt was uns erwarten würde…

PROs
- großes, gemütliches Zimmer
- sauber
- sehr ruhig gelegen
- für hiesige Verhältnisse sehr günstig (80 USD)
- wir haben ein abgelegenes Zimmer im zweiten Stock, kein “walk-way” vorm Fenster

CONTRAs
- kein Wifi

Tag 27 – Wir schwitzen

Datum: 28-Juni-2008
Route: Columbia Falls – Helena
Tageskilometer: 440
Wetter: sonnig, 29°
Unterkunft: Motel 6, RMS2

Vom Westeingang des Glacier NP sind wir heute morgen einige Kilometer in den Park gefahren. In den Seen entlang der Straße haben sich die Berge gespiegelt, wir haben davon einige schöne Bilder geschossen. Die Ostseite des Parks hat uns aber besser gefallen, da die Landschaft dort abwechslungsreicher war. Außerdem war heute sehr viel Verkehr (Samstag + gutes Wetter), so dass sich auch keine Tiere an der Straße blicken ließen.

Wieder zurück in Columbia Falls haben wir beim Vortex House gestoppt. Ich hatte darüber mal einen Bericht im Fernsehen gesehen und wollte es selbst erleben. Auf dem Gelände sollen angeblich starke Energiefelder vorhanden sein, was durch verschiedene “Anomalien” sichtbar wird. So “schrumpft” man z.B auf einer ebenen Fläche an einem bestimmten Punkt um einige Zentimeter. In einem schräg stehenden Haus fühlt man sich schwindlig und sehr stark nach unten gezogen, und kann sich in extremer Schräglage hinstellen. Dies und andere Dinge wurden vom Guide witzig erklärt, und sicherlich mit so mancher Übertreibung gewürzt (“… auf den Fotos wirken die Personen manchmal durchsichtig….”). Ich bin mir ehrlich gesagt nicht im Klaren darüber wie ich darüber denken soll. Normalerweise glaube ich nicht an solchen Hokus-Pokus, aber in dem Vortex-Haus hab ich mich echt komisch gefühlt. Andreja hat das Haus übrigens schnell wieder verlassen weil ihr so schwindlig war…

Weiter ging die Fahrt nach Süden in Richtung Helena. Die Strecke war sehr schön zu fahren, allerdings ohne echte Highlights.

Nachdem wir in Helena unsere Lebensmittelvorräte im Supermarkt aufgefrischt hatten, haben etwas längerer nach Downtown gesucht und gefunden und einen kleinen Bummel gemacht. Für amerikanische Verhältnisse hat Helena durchaus eine schöne kleine Innenstadt. Das Essen im Restaurant war nicht so der Renner (zu fett, zu süß), wir haben beide ein komische Gefühl in der Magengegend…

Schlafen werden wir im Motel 6.

PROs
- sehr günstig (60 USD)
- sauber

CONTRAs
- Besoffener auf dem Parkplatz
- Wifi funktioniert nicht und Personal hat keine Ahnung davon

Tag 26 – Welcome to the United States

Datum: 27-Juni-2008
Route: Fort Macleod – Columbia Falls
Tageskilometer: 320
Wetter: sonnig, 22°
Unterkunft: Super 8 Motel, RMS2
Wildlife: Koyote, Rehe

Heute morgen wurden wir von Dee mit einem erstklassigen Frühstück verwöhnt. Es gab selbstgemachten Obstsalat, Rhabarber-Muffins und Brötchen.

Die Gastfreundschaft der beiden ist wirklich außergewöhnlich! Wir sind gestern Abend noch lange in ihrem Wintergarten zusammen gesessen und haben uns über Gott und die Welt unterhalten. Die beiden hatten ne Menge spannender Geschichten auf Lager und wir haben uns köstlich amüsiert. Die kostenlose Versorgung mit kaltem Bier für mich und Schwarztee für Andreja ist ebenfalls erwähnenswert.

Die Fahrt auf dem Highway #2 zur US-Grenze ging flott, die Abfertigung dort ebenfalls. Ich musste ein Einreiseformular ausfüllen (Andreja hatte ja bereits ein Visum), und von uns beiden Fingerabdrücke genommen. 12 USD mussten wir dafür bezahlen, die Behandlung durch die Grenzbeamtin war freundlich (da gibt es auch ganz andere Berichte).

Auf dem Highway #89 fuhren wir bis St. Mary, die größte Herausforderung war die Umstellung auf Meilen bei den Geschwindigkeitsvorgaben. Glücklicherweise verfügt der Tacho des Ford sowohl über eine kmh- als auch über ein mph-Skala.

Bei St. Mary liegt der Osteingang des Glacier-Nationalparks. Eigentlich wollten wir auf der Going-To-Sun-Road bis zum Westeingang des Parks fahren, die Strecke wird wegen ihrer Schönheit gerühmt und führt quer durch den Park. Leider ist die Straße noch nicht vollständig geöffnet, die Höhenlagen sind noch nicht sicher befahrbar (Schneeschmelze, Lawinengefahr). Jedoch kann man von beiden Eingängen aus einige Kilometer in den Park fahren, wir haben daher heute den befahrbaren östlichen Teil des Parks erkundet.

Von der Straße aus eröffnen sich immer wieder tolle Bergpanoramen. Die Vegetation ist trockener als in den von mir besuchten kanadischen Parks, vermutlich sieht es im westlichen Teil (Regenseite) ein wenig anders aus.

Andreja war begeistert als auf einem Picknickplatz ein Reh unbekümmert gegrast hat. Ihre erste Wildbegegnung!

Wir sind zwei kurze Wanderwege zu kleineren Wasserfällen gelaufen, das Wetter war herrlich und und wir hatten eine Menge Spaß. Andreja hatte anfangs natürlich Bedenken wegen der Bären, aber ich konnte sie davon überzeugen dass die heute schon gefrühstückt haben und wir ohnehin keinen lohnenswerten Snack abgeben :-) . Sie ist danach sehr tapfer mit gelaufen!

Zurück in St. Mary mussten wir den Glacier NP dann in südlicher Richtung umfahren, als Tagesziel stand Columbia Falls fest da wir das Motel bereits reserviert hatten. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und auf den ersten 30-40 Kilometern eng und kurvig, was eine Menge Zeit gekostet hat. Der Rest der Strecke war jedoch gut zu fahren.

Untergekommen sind wir im Super 8 Motel.

PROs
- sauber
- Kostenloses Wifi
- großes Zimmer
- günstige Lage unweit des Westeingangs zum Glacier NP

CONTRAs
- Zimmereinrichtung etwas ungemütlich
- Relativ teuer (100 USD)

Tag 25 – Die Liebe zum Detail

Datum: 26-Juni-2008
Route: Calgary – Fort Macleod
Tageskilometer: 200
Wetter: leicht bewölkt, 22°
Unterkunft: McKenzie House BB, RBS1

Vom Aussichtspunkt auf dem Scottsman´s Hill hatten wir heute morgen einen guten Blick auf den Saddledome und die Skyline von Calgary. Allerdings haben uns Schwärme von Moskitos kaum genug Zeit für ein Foto gelassen, es half nur die schnelle Flucht zurück ins Auto.

Weiter gings in das Chinook Centre, die größte Shoppingmall der Stadt. Wir haben uns beide zurückgehalten und nichts gekauft (Angebot und Preise haben wir natürlich sondiert).

Ein wirklich lohnender Abstecher führte uns zum Heritage Park, ein im Stil der Jahrhundertwende erbautes Museumsdorf. Wir waren beide überrascht über die Größe des Dorfs und die Liebe zum Detail die an jeder Ecke spürbar ist. Die Angestellten des Parks sind passend gekleidet und verrichten ihre Arbeiten mit Hilfe von Pferdegespannen und Oldtimern. Es gibt alte Dampfloks, Oldtimer, historische Gebäude samt Inventar und vieles mehr zu bewundern. Die Geschichte der jeweiligen Ausstellungsstücke wird von den Angestellten ausführlich und anschaulich erläutert. Alles wirkt noch so lebendig dass man sich in die vergangene Epoche zurückversetzt fühlt. Im Saloon haben wir uns standesgemäß ein kaltes Bier genehmigt.

Die weitere Fahrt führte uns nach Fort Macleod, einer Kleinstadt mit wenig Sehenswürdigkeiten. Das namens gebende Fort war leider schon geschlossen, daher fiel die Besichtigung aus.

Untergekommen sind wir im McKenzie House BB, was sich als Glücksgriff erwiesen hat. Jerry hat uns erstmal zu einem Bier eingeladen, da seine Lebensgefährtin Dee, die für die Vermietung zuständig ist, nicht zu hause war. Bei der Gelegenheit hat er uns gleich das ganze Haus, den Garten sowie seinen alten Ford T-Modell (Oldtimer!) gezeigt.

Dee verlegt im Haus neue Kabel, und war sich unschlüssig ob sie Gäste aufnehmen wollte. Wir haben kurzerhand unsere Hilfe angeboten, in 15 Minuten war die Sache erledigt und wir hatten den Schlafplatz sicher :-D

PROs
- extrem gastfreundliche Vermieter
- Major, der liebenswerte taube Haushund
- sehr günstig (55 CAD)
- Haus ist sehr stilvoll eingerichtet
- sauber

CONTRAs
- technikfreie Zone (kein TV / Wifi)

Tag 24 – Zu zweit unterwegs

Datum: 25-Juni-2008
Route: Calgary
Tageskilometer: 60
Wetter: leicht bewölkt, 21°
Unterkunft: Econo Lodge University, RMS2

Seit 9:50h sind wir nun gemeinsam unterwegs und ich freue mich sehr auf die vor uns liegende Zeit! Andrejas Flug war okay, wenn auch anstregend und kalt (AirTransat hatte wohl die Klimaanlage zu kalt eingestellt).

Nach einer kleinen Pause im Motel sind wir mit der S-Bahn nach Downtown gefahren. Das erste was schon von weitem ins Auge sticht ist die Skyline mit dem Calgary Tower. In Downtown gibt es nicht so furchtbar viel zu sehen: Einige nette Wolkenkratzer, eine schöne aber recht kurze Fußgängerzone und natürlich viele Shoppingmalls.

Im 4. Stock der Mall Toronto Dominion Square befinden sich die Devonian Gardens, eine nicht unbedingt schöne aber dafür ungewöhnliche Gartenlandschaft. In der Mall hatte Andreja auch Gelegenheit das Klamottenangebot + Preise zu checken. Wir wollen unsere große Einkaufstour aber auf die Outlets in USA Beschränken, die nochmal deutlich günstiger sind.

Beim Essen haben wir gleich mal kräftig daneben gegriffen, der WOK-Fraß war einfach unglaublich schlecht.

Nach einem kleinen Spaziergang zum Bow-River hatten wir nochmal einen guten Blick auf die Calgary-Skyline. Von hier aus sind wir zurück zur S-Bahn und dann ins Motel, bei Andreja forderte der lange Flug + Jetlag seinen Tribut.

Tag 23 – Nach Calgary

Datum: 24-Juni-2008
Route: Dinosaur PP – Calgary
Tageskilometer: 240
Wetter: wechselhaft
Unterkunft: Econo Lodge University, RMS2

Ich sollte das Glück nicht überstrapazieren… Heute Nacht hat es leicht geregnet, als ich heute morgen das Zelt abbauen wollte brach die Hölle los. Sturm + extremer Regen, unmöglich bei dem Wetter das Zelt abzubauen. Ich habe ne starke Stunde im Auto gewartet und als der Regen kurz aufhörte das Zelt abgebaut.

Die Gegend hier ist so trocken, ich kann mir wirklich nicht vorstellen dass diese Wassermassen die da runtergekommen sind typisch sind. Es muss am Zelt liegen.

Nachdem ich in Brooks gegessen und getankt hatte gings auf dem zweispurigen Highway No. 1 nach Calgary. Das einzig spannende auf der Fahrt war ein Koyote am Straßenrand, der sich aber schnell verdrückte als ich gebremst habe.

Eingecheckt habe ich für die nächsten beide Nächte in der Econo Lodge bei der Universität.

PROs:
- schönes großes Zimmer
- sauber
- free Wifi
- Pool + Gym (nutze ich aber nicht)

CONTRAs:
- teuer (116 CAD pro Nacht)
- Wifi funktioniert nur in der Lobby

Tag 22 – Zweite Halbzeit

Datum: 23-Juni-2008
Route: Dinosaur PP
Tageskilometer: 0
Wetter: sonnig und heiß
Unterkunft: Dinosaur PP Campground, RCS2

Die Nacht im Zelt war ein Traum: Es hat nicht geregnet, war nicht zu kalt, und herrlich ruhig. Lediglich das Geheule von Coyoten hat mich ein paar mal aus dem Schlaf gerissen, das hat aber super zum “Setting” hier gepasst.

Heute ist der 22te Tag meiner Reise, d.h. ich befinde mich bereits in der zweiten Halbzeit meiner 42tägigen Reise. Unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich freue mich aber schon sehr auf die gemeinsame Zeit mit Andreja, die ich am Mittwoch morgen in Calgary endlich wieder in die Arme schließen kann.

Den heutigen Tag habe ich in aller Ruhe angehen lassen. Ich habe auf dem Campground um einen Tag verlängert, in der Hoffnung auf eine weitere trockene Nacht.

Im Dinosaur Provincal Park finden noch heute bedeutende Ausgrabungen von Dino-Knochen statt. Dieser Teil des Parks ist jedoch nicht zugänglich für Besucher (es gibt wohl die Möglichkeit entsprechend teure geführte Exkursionen zu buchen).

Neben dem Campground verfügt der öffentlich zugängliche Teil des Parks (wie bereits gestern beschrieben) über 5 kurze Trails die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Drei davon bin ich gelaufen (ohne weitere Schlangenbegegnungen), allesamt sind toll gemacht. Den vierten haben mir leider die Mosquitos vergällt, die trotz Mückenspray in Schaaren über mich hergefallen sind und mich zur Umkehr gezwungen haben.

Die Landschaft hier ist unglaublich, man sollte meinen man wäre in New Mexiko und nicht in Kanada.

Es war heute richtig heiss und den Rest des Tages habe ich im Klappstuhl im Schatten der Bäume beim Zelt verbracht. Ich könnte es hier glatt noch ein paar Tage aushalten.

Tag 21 – Pleiten, Pech & Pannen

Datum: 22-Juni-2008
Route: Drumheller – Dinosaur PP
Tageskilometer: 240
Wetter: extrem wechselhaft
Unterkunft: Dinosaur PP Campground, RCS2

Ich besitze scheinbar ein Wunderzelt. Man baut es bei schönem Wetter auf und kann sicher sein dass es bald regnen wird. Wenn ich das clever anstelle lässt sich vielleicht Geld damit verdienen…

Jedenfalls bin ich gestern Abend noch lange mit meinem Nachbarn zusammen gesessen, und gegen 0:30h bei 18 ° ins Zelt gelegen. Heute Nacht hat es dann mal wieder geregnet. Meine fünfte Nacht im Zelt, das fünfte mal dass es geregnet hat…

Nach dem Aufstehen sah das Wetter dann aber gar nicht so schlecht aus, der Wetterbericht hatte einen leicht bewölkten Tag vorhergesagt. Da ich genügend Zeit habe und nicht schon wieder das nasse Zelt einpacken wollte habe ich für eine weiter Nacht bezahlt (böser Fehler…).

Zunächst bin ich zum nahe liegenden Royal Tyrrel Museum gefahren, es verfügt über eine der bedeutendsten Sammlung von Dinosaurierskeletten.

Direkt am Parkplatz startet ein kleiner Trail der die Besonderheiten der Badlands veranschaulicht, den wollte ich zuerst gehen Ich war noch keine 5 Minuten unterwegs da kam wie aus dem Nichts ein Sturm auf der sich gewaschen hatte. Meine Augen waren voller Sand und Staub (Badlands=sandig) so dass ich die Schautafeln leider nicht mehr lesen konnte. Die Temperatur fiel von 19° auf 11°. Glücklicherweise war der Weg recht kurz und ich konnte bald das schützende Museum aufsuchen.

Die Ausstellung der Dino-Skelette ist wirklich beeindruckend. In den kanadischen Badlands wurden in den letzten Jahrzehnten unheimlich viele gut erhaltene Skelette gefunden, so dass in der ganzen Region mehr oder weniger intensiv damit geworben und Geld gemacht wird (Dinoparks, Souvenirs etc.). Die 10 CAD Eintrittsgebühr für das Museum sind aber gut investiertes Geld, neben den Skeletten werden jede Menge Informationen zu den verschiedenen Erdzeitaltern und deren jeweiligen Bewohner anschaulich vermittelt. Ich war gerade im Raum der großen bösen Carnivore-Dinos als es stockdunkel wurde. Ja, da werden Erinnerungen an Jurrasic Park wach… Nach kurzer Zeit ging im nächsten Raum die Notbeleuchtung an – Stromausfall. Vom Personal wurden wir mit Taschenlampen hinausbegleitet, ein Ende des Ausfalls war nicht absehbar. Prima.

Draußen kam zum Sturm nun auch noch Regen, da mein Magen knurrte beschloss ich die paar Kilometer nach Drumheller zu fahren um dort einen Burger zu essen. Soweit der Plan, leider gabs dort auch keinen Strom und somit gabs auch nichts Warmes zu essen.

Wenns läuft dann läufts!

Irgendwie hatte ich nun von Drumheller endgültig die Schnauze voll, ich fuhr zum Campingplatz und habe bei Sturm und Regenschauern das Zelt abgebaut (ein ganz großer Spaß!). Die bereits bezahlte Nacht ließ sich leider nicht mehr canceln. Dies und die Tatsache dass die letzte Nacht recht laut war führt nachträglich zur Abwertung (RCS3).

Auf dem Weg zum meinem nächsten Ziel, dem Dinosaur Provincal Park bei Brooks, bin in ich südlich von Drumheller an einigen Hoodoos vorbeigekommen die schön anzusehen waren (deutlich imposanter als die in Banff). Auch das Wetter wurde schlagartig besser, blauer Himmel + 20°.

Die Strecke bis Brooks ist nochmal deutlich einsamer als ich es gestern beschrieben habe. Weideland bis zum Horizont in allen Himmelsrichtungen (aber erstaunlich wenig Vieh). Ich bin mit Tempomat und Tempo 100 sicherlich eine Stunde gefahren ohne einmal zu bremsen, in der Zeit sind mir ganze fünf Autos begegnet.

Der Dinosaur PP verfügt über einen schönen Campground, bei 22° und blauen Himmel habe ich mich zu einer weiteren Nacht im Zelt hinreißen lassen. Bin halt lern-resistent.

PROs:
- sehr schöne Lage umgeben von Sandsteinhügeln
- sehr großzügige Stellplätze
- günstig (20 CAD)
- wenig besucht
- Tiere (Hasen, Rehe)

CONTRAs:
- kein Wifi
- Wassertoiletten nur im zentralen Gebäude

Ich bin dann noch kurz zum Besucherzentrums des Parks gelaufen, obwohl es schon geschlossen hatte habe ich auf Nachfrage bei einer Angestellten noch eine Trail-Map bekommen. Es gibt hier 5 kurze “Wanderwege”, einer startet direkt am Besucherzentrum, den wollte ich als Abendspaziergang laufen. Eine Infotafel weißt wie in jedem Park auf die Besonderheiten des Weges sowie die Flora & Fauna hin. Es gibt hier wohl Prärieklapperschlangen (scheu), Skorpione (nachtaktiv) und Schwarze Witwen (an eher unzugänglichen Stellen). Das erinnerte mich an unseren USA-Trip im Jahr 2000 als Alex und ich in der Prärie von Nevada erfolglos nach Klapperschlangen gesucht hatten :-)

Während ich auf den ersten Metern des Trails darüber nachdenke wie ich im Tagesbericht die veränderte Gefahrenlage (keine Bären mehr, dafür giftiges Getier) unterbringe wäre ich beinahe über eine Klapperschlange gestolpert. Das ca. 150cm lange und recht dicke Tier lag der Länge nach etwa 1,5 Meter vor mir direkt neben dem Pfad regungslos im Gras (wahrscheinlich genauso erschrocken wie ich). Ich dachte mich trifft der Schlag.
Ich habe aus einigem Sicherheitsabstand erstmal fotografiert, und die Schlange hat sich derweil ohne jedes Anzeichen von Aggressivität aus dem Staub gemacht. Ich habe auf der Stelle kehrt gemacht, überlassen wir die Abendstunden lieber unseren kriechenden Freunden :-)

Tag 20 – Wehmut

Datum: 21-Juni-2008
Route: Banff – Drumheller
Tageskilometer: 310
Wetter: sonnig, 27°
Unterkunft: Dinosaur Trail RV Campground, RCS2

Heute habe ich die kanadischen Rockies endgültig hinter mir gelassen. Da ich mit meiner geplante Route “durch” bin, und noch einige Tage bis zu Andrejas Ankunft verbleiben, habe ich mich entschlossen zu den östlich von Calgary gelegenen Badlands aufzubrechen.

Die Fahrt auf dem breiten Highway 1 von Banff nach Calgary ist ohne Reiz. Je näher man Calgary kommt desto kleiner werden die Rockies im Rückspiegel. Mir ist durchaus wehmütig zu Mute wenn ich darüber nachdenke dass ich so bald nicht mehr hierherkommen werde. Die Natur ist einzigartig und ich hatte eine wirklich tolle Zeit in den Nationalparks.

Um auf den Highway 2 Nord zu kommen musste ich ein gutes Stück auf der Ausfallstrasse durch Calgary hindurch fahren, da selbige im Moment eine einzige große Baustelle ist war das ein zähes Unterfangen. Durch Zufall bin ich an dem Motel vorbeigefahren welches wir bereits vorab für Andrejas Ankunft reserviert haben, und es macht von außen einen guten Eindruck!

Ca. 40 km nördlich von Calgary bin ich dann vom Highway runter und ab dem Zeitpunkt nur noch auf kleinen Straßen in Richtung Drumheller gefahren. Die Landschaft hat sich zwischenzeitlich komplett verändert, weite Ebenen prägen jetzt das Bild. Farmland bis zum um Horizont, nur vereinzelte kleine Siedlungen, ewig “gerade” Straßen, ein voller Tank und so gut wie kein Verkehr lassen ein Gefühl von Freiheit aufkommen.

Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel und zwingt das Außenthermometer auf zwischenzeitlich 28°. Eins ist sicher: Heute wird gecampt! Endlich mal wieder Camper-Wetter!

Noch ein Stück weiter östlich beginnen die Badlands, karge zerklüftete Sandsteinformationen die ihren ganz eigenen Charme haben. Welch ein Kontrast zu den gerade mal 200km entfernten Berglandschaften.

Das Übersetzen über den Red Deer River erfolgt per Cable-Ferry, einer kostenlosen kleinen Fähre die mit Drahtseilen geführt wird.

Ein Besuch in Drumheller habe ich heute ausgespart und bin direkt zum 10 km entfernten Dinosaur Trail RV Campground gefahren.

PROs:
- große, schöne Anlage
- beheizter Pool (habe ich noch nicht benutzt)
- Waschmaschinen + Trockner gegen Gebühr (ich hoffe meine Klamotten überleben die Behandlung)
- 24h Wifi für 3 CAD

CONTRAs:
- verhältnismäßig teuer (für 31 CAD pro Nacht ist nicht mal duschen für umme)

Mein Nachbar ist ein gesprächiger Kanadier dessen Eltern aus Dänemark immigriert sind. Er hat sich unweit in der Provinz Saskatchewan gerade ein Haus für 6000 CAD (= ca. 4500 EUR) gekauft, muss entweder ein Schnäppchen oder eine Bruchbude sein…

Tag 19 – Banff

Datum: 20-Juni-2008
Route: Banff
Tageskilometer: 110
Wetter: bewölkt, 19°
Unterkunft: Tan-Y-Bryn B&B, RBS3
Wildlife: Waipitis, Rotwild, Dickhornschafe

Als erstes bin ich zum Johnston Canyon gefahren, der ca. 25 km von Banff entfernt ist. Man fährt auf dem Highway 1a in Richtung Lake Louise, das ist die ursprüngliche Verbindung zwischen beiden Orten die inzwischen durch den wesentlich besser ausgebauten aber weniger “fahrenswerten” Highway 1 abgelöst wurde.

Der Johnston Canyon ist durch einen schönen Weg erschlossen der teilweise auf Stelzen neben dem Canyon verläuft. Anspruchsvoll zu Laufen sind die ca. 1,5 km bis zu den Lower Falls und 3 km zu den Upper Falls jedoch nicht. Und genau das ist wohl der Knackpunkt. Ich glaube der Weg muss als das Kanada-Highlight schlechthin bekannt sein. Hier war alles unterwegs was sich halbwegs auf den Beinen halten konnte. Und jeder “Abenteurer” wollte sich natürlich auf zahlreichen Fotos verewigt wissen, da kam jede Flussbiegung (und sei sie noch so gewöhnlich) als Hintergrundmotiv gerade recht. Es dauert natürlich seine Zeit bis man sich jedesmal postiert und knipsen hat lassen, was auf dem engen Weg dann zu Stop&Go Verkehr führte. Ich hab dann schon bei den Lower Falls umgedreht, mir war die Lust völlig vergangen. Schade, es wäre unter anderen Umständen bestimmt ein toller Spaziergang.

Die weiteren Tageshighlights…:

1. Bankhead
Bankhead wurde Anfang des letzten Jahrhundert als Minenstadt gegründet, um die Kohlevorkommen in den Cascademountains zu erschließen. Sie hatte in der Blütezeit 900 Einwohner und galt als modernste “Stadt” Kanadas. Das Glück währte nur 17 Jahre, mit dem Einbruch der Kohlepreise wurde alles dicht gemacht. Häuser und Einrichtungen wurden entweder in andere Orte verlegt (abgebaut und wieder aufgebaut) oder zerstört. Heute führt ein interessanter Interpretative Trail über Teile des damaligen Geländes und erläutert sehr anschaulich wie es früher einmal ausgesehen hat und wie die Einwohner gelebt haben.

2. Lake Minnewanka
Größter See der Umgebung, ca. 20 km lang. An der westlichen Uferseite gibt es einen Wanderweg den ich bis zum ca. 2 km entfernten Stewart Canyon gelaufen bin. Obwohl es entlang des Sees viele Picknick-Möglichkeiten gibt, und auch der Weg recht schön ist, waren
kaum Leute unterwegs (klar, die drücken sich ja alle durch den Johnston Canyon). Aufgrund von Bärenwarnungen (da hat wohl ein Bär des öfteren schlechte Laune) für das dahinterliegende Gebiet hab ich am Canyon kehrt gemacht. Ich hatte hier heute die erste Wildbegegnung beim Wandern, eine Dreiergruppe Dickhornschafe ist ca. 2m entfernt von mir unbeeindruckt vorbeispaziert. Die Tiere gibts in dem Gebiet übrigens sehr häufig, ich musste heute mehrmals stoppen weil sie die Straße blockiert hatten.

3. Johnson Lake
Kleiner See der durch einen 3 km langen wirklich abwechslungsreichen Pfad umwandert werden kann.

4. Hoodoos
Unweit von Banff stehen einige wenige Hoodoos, seltsame Sandsteintürmchen die mich an Termitenhügel in Afrika erinnern. Im Grunde nichts besonderes.

Zum Tagesausklang habe ich in der Old Spagetthi Factory gespeist, die ich schon von Whistler kannte. Das Preis-Leistungverhältnis ist für kanadische Verhältnisse sagenhaft, für 10 CAD gibt’s frisches Brot mit Knoblauchbutter, wahlweise Suppe oder Salat, Spagetthi und Eis. Abgerundet mit einem Pint Bier ein leckeres Abendmahl.